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Samstag, 31.03.2012

Flotte Mizzi, flotte Sprüche

Und wieder einmal stehen wir international blamiert da, durch Maria Fekter und die Innsbrucker FPÖ-Plakate, die die, äh, Musterdemokratie Marokko verärgert haben. Über Damen soll man ja nichts Schlechtes sagen. Gut, die Schotter-Mizzi ist keine, trotzdem wollen wir uns über ihren vorzeitigen Pressekonferenz-Erguss nicht weiter auslassen. Sind wir nur froh, dass sie für das verfrühte Herausposaunen der Mondlandung zu jung war (“The eagle will land, shortly.”). Auch beim Jagdausflug in Pakistan war ausnahmsweise kein ÖVP-Politiker eingeladen, so dass die Erlegung des Terror-Zwölfenders Osama von Obama verkündet werden konnte. Der kann das im Wahlkampf gut gebrauchen.

Machen wir lieber Brainstorming zur FPÖ-Lyrik. Das Plakat “Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe” ist ja eher Kickl-Boxen als feine Klinge. Wir wollen uns am Niveau-Limbo beteiligen:

1. Ladies first:

Rosenkranz statt Toleranz
Mutterkreuz für Rosenkranz statt Wetten Dass mit Markus Lanz

2. Aus aktuellem Anlass ein paar zum Thema Parteienfinanzierung:

Geld vom Hochegger statt Zores mit dem Busch-Neger
Spenden an die Parteikassa statt Bimbos aus Mombassa
Provision vom Mensdorf-Ali statt Asylanten aus Mali
Volle Parteikassen statt jeden reinlassen
Schwarzgeld statt Schwarzafrikaner
Part of the game no na statt Zogaj Arigona

und als Gruß an den zukünftigen Juniorpartner ÖVP:
Her mit dem Zaster statt Ausländer-Gfraster

3. Etwas für Alt und Jung

Kameradschaftsbund statt Migrationshintergrund
SS-Kameraden statt Wüstennomaden
Seniorenwindel statt Ausländer-G’sindel

Drei Bier bestellen statt zu Fremden sich gesellen
Burschenschafter-Lümmel statt Türken mit Kümmel
Mengele statt Mengenlehre
Inzest statt Song-Contest

4. In memoriam Jörg Haider:

Phaeton statt Feuilleton
Besser Xenopho-Bi als nie

5. Sonstiges, allgemein rassistisches

Deutsche Schäfer statt Terroristenschläfer
Null Bock auf Ute Bock
Scheuch Uwe und Kurt statt Kaffern-Baby-Mißgeburt
Ein Reich für 1000 Jahr’ statt eine Asylanten-Schar
Lager in Mauthausen statt Gutmenschen-Flausen

Donnerstag, 21.04.2011

Verena Remler - Eine Ära geht zu Ende

Kurz nach den Feierlichkeiten zu Kreiskys 100. Geburtstag müssen wir uns nun von der zweitprägendsten Politikerin der 2. Republik verabschieden. Verena Remler muss die Regierungsbank verlassen. Wer erinnert sich nicht an ihre zahlreichen Reforminitiativen, ihre brillianten Reden und ihre geistreichen Interviews. Wie gut muss es einer Partei gehen, die meint auf so eine Ausnahmeerscheinung verzichten zu können. War denn die Karriere dieser Lichtgestalt Zufall? Nein, schließlich wurde sie nach beinharten Kriterien erwählt: einerseits schwarz (Partei), andererseits weiß (Haut); einerseits Tirolerin (Hoamatl), andererseits Österreicherin (Pass); Frau ja, aber um Gottes Willen keine Emanze - und natürlich vom ÖAAB (Österreichs Ausnahmslos Alles Blockierer). Wer kann das alles schon auf sich vereinen?

Anlass für diesen tragischen Verlust ist ein eher banales Ereignis: einem ÖVP-Obmann ist die Luft ausgegeangen. Gut, das passiert ca. so regelmäßig wie ein Atom-Reaktor-Unfall, aber die meisten vor ihm haben es halt doch nicht gar so wörtlich genommen. Auf der Abschieds-Pressekonferenz gefragt, was er nun vorhabe, sagte das Michelin-Männchen: "Essen gehen". Ja, der Mann hat seine Lektion gelernt. Drei Zentner Selbsterkenntnis. Das Traurige ist: Plautze Pröll geht, aber Glatze Pröll bleibt, und ist auch weiterhin der wahre Machthaber.

Der Abgang des Neffen machte jedenfalls eine Regierungsumbildung notwendig, und die läuft bei der ÖVP nach dem Reise-nach-Jerusalem-Prinzip ab: alle bisherigen Minister stehen auf, ein paar neue Gestalten gesellen sich dazu, und dann rennen alle gar lustig im Kreis - bis die Blasmusikkapelle aus Radlbrunn plötzlich aufhört zu spielen - und setzen sich auf den nächstbesten freien Ministersessel. Wer geglaubt hat, dass es um Qualifikationen und Erfahrungen geht, sollte wegen chronischer Naivität einen Arzt aufsuchen.

Dieser geniale Auswahlmodus läßt zwangsläufig einige Verlierer zurück. Neben Verena Remler ist dies auch Claudia Bandion-Ortner. Das sie nun wieder von einem kärglichen Richtergehalt leben muss, wird die österreichische Brillenindustrie in eine tiefe Krise stürzen. Ihr Abgang aus dem Justizministerium gibt jedoch ein wenig Hoffnung, dass Ex-ÖVP-Minister, die nicht zufällig ein ASS in ihrem Namen haben, Konsequenzen für ihr Handeln tragen werden müssen. Dass man im Finanzministerium nun ohne den studierten Theologen Reinhold Lopatka auskommen wird müssen, ist nachteilig, denn dass Geld vom Himmel fällt, ist nun noch weniger zu erwarten. Dabei hätten wir es zur Budgetsanierung gut gebrauchen können.

Doch macht euch keine Sorgen, denn unsere Staatsfinanzen sind bei Maria Fekter gut aufgehoben. Den Namen "Schotter-Mizzi" hatte sie prophetischerweise ja schon immer, nun ist sie tatsächlich für unser aller Geld verantwortlich. Wenn sie beim Eintreiben von Steuerschulden so erbarmungslos ist wie beim Vertreiben minderjähriger Flüchtlinge, sind die Maastricht-Kriterien bald erreicht. Leider ist der Großteil der Steuerschulden den Unternehmen zuzurechnen, da wird die Wirtschaftsbündlerin wohl demnächst ihre sanfte, einfühlsame, weibliche Seite entdecken.

Neu in der Bundesregierung ist Johanna Mikl-Leitner aus - Überraschung! - Niederösterreich. Die ÖVP-Kollegen nennen sie liebevoll "Hanni", was an "Lisl" Gehrer erinnert, und daher akuten Brechreiz verursacht. Sie wird mit einer Doppelbelastung fertig werden müssen: Innenministerin und Super-Nanny für Sebastian Kurz. Was davon schwieriger werden wird, läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen.

Der neue Integrationsstaatssekretär ist bis jetzt mit genau einer Idee zum Thema aktenkundig: in der Moschee soll Deutsch gepredigt werden. Ich finde das ja erweiterbar: auch in der türkischen Botschaft sollen zukünftig alle Muftis gefälligst Deutsch reden! Die gute Hanni ist da liberaler: sie hat sich dafür stark gemacht, in den Kindergärten Nikolaus zu feiern, und der war ja immerhin ein Türke. OK, außer dem Nikolaus und Attila Dogudan wurde eigentlich kein Türke mehr richtig integriert, aber der gute Wille ist da.

Soll ich noch etwas Freches zu Michael Spindelegger (Sternzeichen Aktenordner, Aszendent Bügelfalte) sagen? Nein, denn erstens wäre das unfair, weil er auch keine dicke Lippe mir gegenüber riskieren würde. (OK, er könnte es auch mangels einer solchen kaum.) Und zweitens ist er doch eh spätestens nach der nächsten Nationalratswahl Geschichte. Dann übernimmt Sebastian Kurz und führt die ÖVP im Geilomobil unter die 4%-Hürde.

Donnerstag, 19.08.2010

Wiener Wahlkampf: Verse für Perverse

Der Wiener Wahlkampf ist eröffnet. Herbert Kickl kreißte und gebar: "Mehr Mut für unser 'Wiener Blut' ". Bumsti! Bei dem intellektuellen und literarischen Niveau kann sich Häupl von der Absoluten gleich verabschieden. Auf Wikileaks wurden schon die kommenden Sprüche der FPÖ-Kampagne veröffentlicht:
"Mehr Mut tut not für unseren Wiener Kot"
"HC: Weil ich die Flagge hisse für die Wiener Pisse"
"Mehr Einsatz für den Wiener Schlatz"
"Mehr Gestammel für den Wiener Nasenrammel"
"Wiener Ohrenschmalz - Gott erhalt's"
"Mehr Arien auf die Wiener Ovarien" - Scherz, so viel Fremdwörter kennt bei der FPÖ keiner. Da schon eher
"Mehr Humptata für die Wiener Prostata" oder
"Drei Biere für die Wiener Niere" und
"Mehr Wehrsportü-bungen für die Wiener Lungen"

Doch die FPÖ will sich nicht auf das Thema "Der menschliche Körper: Seine Organe, Säfte und Sekrete" festlegen lassen. Man ist ja schließlich keine Single-Issue-Partei! Von Gusi hat man gelernt, dass gescheit sein nicht ankommt, gescheit tun noch viel weniger. Daher will man das - zwar eh nicht vorhandene - Licht besser unter den Scheffel stellen:
"FPÖ: Wenig schlau für den Gemeindebau"
oder konkreter "FPÖ: Ganz schön doof für den Karl-Marx-Hof"
bzw. "Bei uns ist jeder Idiot, mit 'nem IQ wie ein Butterbrot"
oder personalisierter "HC: Ein Surm für den Donauturm"
bzw. "HC: Ein Einfaltspinsel für die Donauinsel"
Man muss den dummen Menschen einfach zeigen, dass sie nicht allein sind:
"FPÖ: Wählt uns jeder, der ist deppert, es sich schön zusammenleppert"

Auch zum Thema Überalterung, nachhaltiges Pensionssystem, Generationenvertrag und Demografie hat man Wertvolles beizutragen:
"HC: Habt keinen Schiss, ich richt euer Gebiss" (Man vergißt ja zu oft, dass Strache der Pontifex Maximus, der große Brückenbauer, ist.)
"Lieber eine volle Senioren-Windel, als das Ausländer-Kinder-Gesindel" daher
"Olla statt Allah" und
"Keine Babyschnuller für die Anhänger vom Mullah" und zwecks der Rassenreinheit
"Unseren Wiener Samen gibt's nur für germanische Damen"

Die Liebe des Wiener Wählers geht auch durch den Magen:
"Eine Käsekrainer ist viel schöner als ein blöder Türken-Döner"
"Lieber Springerstiefel als ein Essen mit viel Zwiefel"
"Bratwurst mit Pürree statt Kameltreiber-Moschee"

Auch die Geschichte wird bemüht:
"Mehr Krupp-Stahl für das Wien-Tal"
"Flugfeld Aspern wird was kosten, aber Hauptsache Lebensraum im Osten"
"Wählt uns wieder, denn Männer mit Schmissen würdet ihr vermissen"

Doch Herbert Kickl kann das Reimen und Denken einfach nicht lassen, und fabriziert noch weitere tiefschürfende Wahlsprüche:
"Braune Uniformen und Barett statt den Blossfüßigen ein Minarett"
"Paint-Ball statt Life-Ball"
"FPÖ: Schwarze Konten statt Schwarze Murl'n"
"Ö3-Wecker statt Mekka"
"Rosenkranz statt Toleranz"
...

Freitag, 18.06.2010

Unkraut vergeht doch

"Österreich ist frei!" möchte man rufen, leider fehlt mir ein Balkon zur perfekten Inszenierung. Unser Vater-/Mutter-/alleinerziehende Transsexuelle-Land (liebe Grüne, wenn ich wen vergessen habe tut's mir ehrlich leid), wurde gestern zum zweiten Mal vom Faschismus befreit.

Lange schon hat man auf das Wirken des Sensenmannes gewartet, doch der arbeitete mit der Geschwindigkeit eines Post-Schalterbeamten. Für andere kam das Ableben zu früh. Bernd Marin etwa meinte: "Wenn alle nur mehr bis 89 arbeiten, wird das Pensionssystem auf Dauer nicht zu finanzieren sein." Ja, eh, oder haben sie schon mal bei Star Trek einen Pensionisten gesehen? Im 23. Jahrhundert wird gearbeitet, bis einen der Klingone kalt macht.

Natürlich wird jetzt erstmal überall Trauer über Dichand's Ableben bekundet, meist wohl unehrlich. Andere werden ihn vielleicht tatsächlich vermissen. Hans Mahr etwa benahm sich gestern wie Smithers, wenn Mr. Burns gestorben wäre. (Für überforderte Bildungsbürger: das sind Simpsons-Figuren).

Aber ist es wirklich schade um Hans I., der unser Land wieder zu einer Monarchie machte, in der alle Macht von der Krone ausging? In der Politiker - brav dressiert wie die Hündchen - erst zu Dichand gingen, und um Erlaubnis fragten, bevor sie etwas taten. Muth-gassi gehen sozusagen. Wie will Faymann das nächste Mal Kanzler werden? Durch echte Politik vielleicht?

Gegründet hat Dichand die Krone mit finanzieller Hilfe des ÖGB. Da waren ja die Karibik-Geschäfte der BAWAG noch eine bessere Idee. Dann wurde sie schnell zur größten Zeitung des Landes, und relativ gesehen der Welt (abgesehen von anderen Entwicklungsdemokratien, die Pyongyang Daily ist ähnlich erfolgreich). Ökonomisch höchst erfolgreich, war sie inhaltlich-qualitativ eher die griechische Staatsanleihe unter den Zeitungen. Als Klopapierersatz gerade noch gut genug.

Ein klassisches Henne-Ei-Problem: Wurde das Blatt so populär, weil es vorhandene Ressentiments erkannt und genutzt hat? Oder sind die Österreicher so blöd, rassistisch, antisemtisch, und bewältigen ihre Nazi-Vergangenheit etwa so erfolgreich wie BP das Ölleck (braune Sauce allüberall), weil ihnen diese "Zeitung" 50 Jahre lang ins Gehirn geschissen hat? Es stimmt wohl beides: quasi ein Perpetuum Mobile der Volksverdummung und -verhetzung.

Fans sehen das natürlich nicht so. Für sie war das nicht übelster Kampagnenjournalismus, sondern den Ansichten der stillen Mehrheit Gehör verschaffen. Die Krone als Vuvuzela der Volksmeinung.

Was die Volksmeinung ist, hat Dichand sicherheitshalber gleich selbst festgelegt. So konnte er wenigstens beweisen, dass man nicht blind davon wird, wenn man sich selbst Leserbriefe schreibt. Ja, manche waren auch echt, so wie die unendlich peinliche Unterwerfungserklärung von Faymann & Gusi. Wir sollten froh sein, diesen politischen Brunnenvergifter endlich los zu sein. Nein, nicht Gusi, obwohl der plötzlich zum turbokapitalistischen Aufsichtsratskaiser mutierte, ich meine schon noch immer Dichand.

Mittwoch, 03.03.2010

Barbara Rosenkranz: furchtbar fruchtbar

Diesmal muss Herbert Kickl keine halblustigen Werbeslogans a la "Rosenkranz statt Ententanz" texten, er kann sich der Weltliteratur bedienen. Ausgerechnet bei Bertolt Brecht: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch." Quod erat demonstrandum: Hedda, Ute, Alwine, Sonnhild, Volker, Hildrun, Mechthild, Arne, Horst und Wolf. Nein, das ist nicht die Besatzungsliste eines brandschatzenden Wikingerbootes, es ist der Wurf, äh, die Brut von Barbara Rosenkranz.

Wolfgang Schüssel hätte das wohl "Pensionssicherungsreform" genannt. Aber ist es wirklich wünschenswert, dass sich in diesem Land nur noch das dritte Lager vermehrt, jenes von KHG und Hypo Alpe Adria? "Survival of the filthiest"? Vielleicht hat ihr auch ein Priester wegen einer großen Sünde (der Wiederbetätigung?) "zehn Rosenkränze" aufgebrummt, und sie hat es ein wenig gar zu wörtlich genommen - als Produktionsauftrag.

Leider hat Frau Rosenkranz neben der Fortpflanzung noch ein Hobby: die Politik. Anders als ihr Mann zwar nicht in verbotenen Parteien, aber in Österreich werden Parteien, die die Beschäftungspolitik des dritten Reiches loben u.v.a.m., ja auch nicht verboten. Das sagt also nicht allzu viel aus. Interessanter ist da schon, dass der EuGH die Bezeichnung "Kellernazi" in ihrem Fall für zulässig hielt. Daher: Barbara Rosenkranz ist ein Kellernazi, Kellernazi, Kellernazi. Ah, tut das gut.

In der "Krone" wird man das Wort wohl eher nicht lesen. Und wenn sicher nicht als Vorwurf. Hans Dichand, der geistig bei der Kriegsmarine nie abmusterte, erkor Rosenkranz zu seinem neuen Liebling aus - nachdem Erwin Pröll nicht brav apportiert hatte. Aber ideologisch stehen dem mean old man aus der Muthgasse die Rosenkranzs ohnehin näher. Und so wird nun die Gebärmutter und Supernanny des Rechtsextremismus zur "bürgerlichen" Kandidatin erklärt. "Krone"-Leser werden schon dumm genug sein, es zu glauben.

Sich selbst sieht Barbara Rosenkranz übrigens auch als politische "Mitte". Ja, ungefär so zentriert wie der Bart ihres politischen Vorbildes. Es besteht zwar zum Glück keinerlei Gefahr, dass sie die Wahl gewinnt, und als freiheitlicher Dungkäfer ihr verseuchtes Gedankengut in die Hofburg einschleppt. Dennoch sollte man sich selbst unbedingt zum Wahllokal schleppen und Fischer wählen, denn wenn die Anständigen durch Faulheit die Wahlbeteiligung drücken, können die Kellernazis durchaus einen "Achtungs"-Erfolg erzielen, für den wir uns dann wieder weltweit genieren und entschuldigen müssen.

Sonntag, 17.01.2010

Haiti - ein Schütteltrauma


What I find irritatng about the Haitian tragedy is the difference to 9/11. When 9/11 happened there was an official mourning, not only in the US, but also in Europe. There were flags at halfmast, minutes of silence in parliament, etc. The radios were playing Enya all the time. (They don't play "I feel the earth move" all the time now.) Comedy shows were cancelled for a week or two, because you are not allowed to laugh (at all, not only about the event) in such a time.

Now, after Haiti has been "shaken, not stirred", nothing like that is happening - although the death toll may have been 50-60 times higher. Is that the "exchange rate" - one Manhattan banker is worth 100 "island niggers"? Well, at least, Bush is now responsible for a place that even he can't make any worse.

Forgive me my cynism.

Spenden: zB http://www.nachbarinnot.at/

Freitag, 23.10.2009

Posten-Possen

Die innenpolitische Debatte der letzten Tage konzentrierte sich auf zwei Personal-Fragen: die Wahl des Bundespräsidenten und die Ernennung des österreichischen EU-Kommissars. Das erste Amt ist theoretisch das dritthöchste im Staat (nach Krone-Herausgeber und Raiffeisen-Chef), in der Praxis aber recht überflüssig. Das zweite bedeutet einen Sitz in der Regierung einer ökonomischen Weltmacht. Kein Wunder also, dass sich die politisch stets instinktsicheren Österreicher eher für das erstere interessieren. Und geradezu selbst-verständlich, dass die SPÖ um den Präsidenten kämpfen will, Faymann den Kommissar aber ohne jede Not und Gegenleistung an die ÖVP verschenkt hat.

Aber so ist das halt mit Werner Faymann: "Genug gestritten!" klingt eher nach Kindergartenpädagogik als nach einem politischen Programm. Faymann ist der ÖVP kein politischer Widerpart, er ist ihr Punching-Ball. Es tut ihm leid, dass er nur zwei Wangen hat, denn er würde so gerne noch weitere hinhalten. Er ist so konfliktscheu, dass der Dalai Lama im Vergleich wie ein militanter Rowdy wirkt.

Ein Glück nur, dass die SPÖ die Präsidentschaftswahlen dank Amtsinhaberbonus kaum verlieren kann. Das hat auch Erwin Pröll nach monatelangem (recht peinlichem) Sich-bitten-lassen eingesehen und einen Rückzieher gemacht. Auch innerfamiliäre Überlegungen dürften eine Rolle gespielt haben: die Menschen könnten es doch etwas bananen-republikanisch finden, wenn die zwei höchsten Ämter von engen Verwandten besetzt sind. Das Duell Erwin vs. Josef, Glatze vs. Wampe, gewann der Letztere. Macht ja auch Sinn: Erwin hätte maximal 12 Jahre Präsident sein können. Aber wenn DIE Nachwuchshoffnung der SPÖ Laura Rudas ist, dann könnte Josef Pröll sehr, sehr lange Kanzler sein. (bzw. bleiben, das Kommando hat er ja jetzt schon.)

Aber wen wird die ÖVP nun aufstellen? Benita hat das letzte Mal zwar verloren, aber der Phänotyp gutbürgerliche Trutsch'n ist bei (potenziellen) ÖVP-Wählern weiterhin beliebt. Was es braucht ist eine Dosis-Steigerung: Ursula Stenzel for President! Sie ist die Hardcore-Version von Ferrero-Waldner: Betulichkeit zum Quadrat, Kampfgrinsen 2.0, Stock-im-Arsch reloaded. Bis auf die ganz Jungen (und die ganz Dementen) kennt sie auch jeder. Unvergesslich, wie sie uns Tag für Tag die Nachrichten vorgeschlafen hat, mit einem Gesichtsausdruck, der so frisch und munter war wie jener des japanischen Finanzministers in Davos.

Allzweckwaffe Stenzel könnte aber auch als EU-Kommissarin zum Zug kommen. Nachdem es immer mehr Mitgliedsstaaten gibt, werden die Zuständigkeiten der einzelnen Ressorts kleiner. Dank unserer blamablen EU-Politik werden wir wahrscheinlich eines der obskureren bekommen. Erhalten wir z. B. jenes für Straßenbeleuchtung, gibt es niemand Qualifizierteren als unsere Uschi. Außerdem will Kommissionspräsident Barroso ohnehin mehr Frauen in seinem Team. Die würde es natürlich auch bei den Roten geben. Für das Propofolio, äh, Portfolio Tribute-Konzerte wäre Renate Brauner eine Idealbesetzung. Die fallen dann allesamt aus, die EU spart Geld, da jubelt selbst die Krone wieder.

Auch die Grünen hätten tolle Frauen, z. B. Monika Langthaler für Solarenergie. Aber so ein wichtiges Ressort bekommt Österreich wohl nicht. Vielleicht gerade noch Solariumsenergie - perfekt für Stefan Petzner. Er ist die größte Hoffnung für das BZÖ, denn Schm(e)iss-Fliege Ewald Stadler wird sein Kommissariat für wehrhaftes Christentum wohl nicht durchsetzen können. Und Gerhard Dörfler wurde ja bekanntlich durch die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass er für's Regieren schlicht und einfach zu blöd ist. (für Kärnten reicht's aber)

Vielleicht zeigt Barroso aber auch Respekt und ernennt Jörg "Crash Test Dummy" Haider posthum zum Kommissar für Verkehrssicherheit, irdisch vertreten durch Witwe Claudia oder Witwe René. Allround-Talent H. C. Strache könnte Kommissar für "Zahntechnik, Wehrsport-übungen und Bierbestellungen" werden. Und, wenn er bis dahin nicht im Häfen sitzt, hat KHG große Chancen als Kommissar für "Kristallwelten und Parallelwelten aus Freunderl- und Mißwirtschaft".

Sonntag, 11.10.2009

Nobel Peace Prize for Barack Obama

Vienna, 11th October 2009

Has it been premature to give this year's Nobel Peace Prize to Barack Obama? Well, he isn't the first one who gets the prize for having visions and trying to change the world for the better, rather than for actually having accomplished something already. Woodrow Wilson and the League of Nations? A nice idea that didn't work. Has Al Gore stopped climate change? No, but he raised awareness.

Seen that way, Obama has achieved a lot of things in a short time. He restored faith in democracy, generally and specifically for the US, by proving that you can make it to the top from an underprivileged minority. He reverted US foreign policy back to multi-lateralism and stopped Bush's shoot-first-think-later strategy.

But while I think it's morally justified to give him the prize, I don't think it's clever politically. It doesn't seem to help him domestically. Americans are used to tell the whole world what to do, but they don't take it too well when their behaviour is being judged, even if they get good marks. They think like "If the others like what we do, then we obviously haven't fought enough for our own interests." That's stupid, of course, but there's no short supply of stupidity in the land of Sarah Palin.

But also internationally, it's dangerous to inflate expectations too much. Obama is a good guy, but he can only do so much. Peace is easier for a US president to break (as Bush has proven), than to make if the involved parties aren't willing. It would be a tragedy if successes of his "soft" policy would be measured against far-too-high expectations, inevitably causing disappointment and as a likely consequence calls for getting back to "tough leaders".

Freitag, 26.06.2009

Michael Jackson 1958 - 2009

Wien, 26. Juni 2009

"You know I'm dead, I'm dead, really really dead ... who's dead?"

Michael Jackson ist tot. Nein, er sieht nicht nur so aus, daran haben wir uns gewöhnt. Er hat aufgehört zu atmen. Nicht nur durch die Nase, auch das ging schon seit 20 Jahren nicht mehr. Er wurde gestern ins Spital eingeliefert, wo sich im OP Männer um ihn kümmerten, die Handschuhe und Mundschutz trugen. Jacko starb also wenigstens unter seinesgleichen. Das einzige Lebenszeichen war der ständige reflexhafte Griff in den Schritt. Herzmassage wurde versucht - "Beat it, beat it, no one wants to be defeated" - leider erfolglos.

Über die Ursache wird noch gerätselt. Eine Überdosis Bleichmittel? Doch nicht nur der mögliche Medikamentenmißbrauch erinnert an den frühen Tod von Heath Ledger, dem Joker. Beide trugen auch ein unnatürlich weißes Gesicht zur Schau, das nicht (mehr) ihres war.

Sollte es eine Feuerbestattung geben, stellt sich die alte Papstwahl-Frage: wird schwarzer oder weißer Rauch aufsteigen? "Black or white", eine seiner letzten halbwegs guten Singles. Dabei hat er uns gezeigt, dass man auch beides sein kann - wenn auch nur hintereinander.

Gerüchten zufolge wird er neben seiner Ex begraben. Nein, nicht neben Lisa Marie Presley, die lebt ja noch. Er soll neben dem Grab seiner ersten Nase seine Ruhe finden. (Auf deren Grabstein steht übrigens "Another part of me".)

Vielleicht war's ja auch ein Freitod, weil er gehört hat, dass die Seelen aller Kinder in den Himmel kommen. Aber wenn er sich auf die Kleinen allzu sehr gefreut hat, quasi mit Sauerstoffzelt in der Hose, kommt er ja wieder dort gar nicht hin. Aber, Michael, wo auch immer du landest: "You are not alone".

Freitag, 03.04.2009

Meinl-Verhaftung

Ein kleines Zeichen von Gerechtigkeit: Julius Meinl V wurde verhaftet. Schade ist ja nur, dass die Wiener Polizei ihn nicht so behandelt hat, wie sie es bei Mohren sonst zu tun pflegt, auch ohne konkreten Tatverdacht. Doch hier gilt ja: Der Mohr hat etwas Schuldhaftes getan, frei nach Shakespeare. Ich plädiere auch dafür, ihm wegen akuter Filzlausgefahr seine ekelhafte Schmalzlocke abzurasieren. Auch wenn sie zu so einem degenerierten Upper Class-Inzest-Monster irgendwie passt. Und nachdem der ORF schon alle deutschen TV-Formate kopiert hat, wie wär's mit "Hinter Gittern" mit Meinl, Mensdorf, Elsner - und Grasser muss auch noch rein.

Eat the rich!
Lucas